Lost Places · 13. Oktober 2019

Kraftwerk Vogelsang

Kraftwerk Vogelsang war ein Planungswunsch im Bausteinformat. Im Jahr 1942 legte Alfred Speer, damals Rüstungsminister ein „Wärmekraft-Sofortprogramm“ auf. Das war nötig, weil die Umstellung der Wirtschaft des Dritten Reichs auf den Krieg ausgerichtet wurde uns so ein erheblich erhöhter Energieaufwand benötigt wurde.
Das Programm beinhaltete eine ökonomisch günstige Bauweise von Kraftwerksanlagen und Anlagenteile. Hier sollte eine Produktion nach genormten Richtlinien erfolgen um so kostengünstig für eine breite Masse zu produzieren. Noch Ende 1942 wurden die Grundlagen für die Einheitskraftwerke zu Papier gebracht.

Im Osten Deutschlands gab es die Braunkohle, darum wurden für diese Gegenden Braunkohle-Kraftwerke konzipiert. So wollte man 15 Einheitskraftwerken mit jeweils 300 MW Leistung errichten. Ende 1942 musste man diese Zahl aber nach unten korrigieren, da der Krieg die Mittel auffraß.
Baubeginn des Wernerwerks (Kraftwerk Vogelsang) war März 1943. Die Kraftwerksanlagen wurden ausschließlich von Zwangsarbeiter aus naheliegenden Konzentrationslagern und Arbeitslagern durchgeführt unter anderem wurden hier auch Häftlinge aus dem Niederschlesischem KZ Groß Rosen eingesetzt.

Der Probebetrieb war für Januar 1945 geplant. Er wurde auch durchgeführt. Man musste aber alle Arbeiten sofort einstellen, weil sich die Front in Richtung Oder verschob. So war Ende Januar 1945 Schluss im Kraftwerk Vogelsang. Somit ist dieses Kraftwerk nie an das Netz gelangt. Die Schornsteine des Kraftwerks Vogelsang waren schon aus der Ferne mit bloßem Auge zu erkennen. So boten sie der Roten Armee ein hervorragendes Ziel. Es gab zahlreiche Granateinschläge in den Schornsteinen sowie im Kesselhaus und anderen Anlagen.
Die technischen Anlagen aus dem Kraftwerk verschwanden als Reparation in die Sowjetunion. Der Rest blieb brach liegen.

Die Anlage diente später der NVA als Übungsgelände. Sprengarbeiten sind nicht vorangeschritten, da die Betonschichten nicht so einfach rückzubauen waren. So kann man heute noch die Grundbauten in einem sehr schlechten Zustand sehen. Es gab wohl statische Berechnungen, dass die Treffer in den Schornsteinen diese in den nächsten 20 Jahren nicht zum Einsturz bringen.
Viele Steine und Mauern sind mit der Zeit jedoch stark einbruchgefährdend, darum wird sicherlich auch die Öffentlichkeit von einem Besuchstourismus ausgeschlossen.

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