Rund um den Ort sind Schilder und Hinweistafeln, die auf ein ausgedehntes Bunkersystem in dieser Gegen hinweisen. Also stand die Wahl der Location fest. Es sollte in und unter die Erde gehen.

Das Bunkersystem was hier entstehen sollte, bekam den Namen “Riese” und war eines der größten  Bauprojekte des III. Reiches. Hier sollte ein neues Führerhauptquartier entstehen sowie Wohnquartiere für das Oberkommando des Heeres (OKM,OKL,OKH). Es war als Streng Geheim eingestuft worden. Da aber die Arbeiten erst 1944 begannen, ist es wohl mit der Tarnung nicht so ernst genommen worden. Dieses Bunkerprojekt umfasste mehrere Bauabschnitte in verschiedenen Orten, so bekam jeder Bunker seinem Zweck zugeordnet auch die  dementsprechende Bezeichnung. Das größte Stollensystem befand sich am Wolfsberg und nannte sich “Komplex Riese” Der genaue Verlauf, Bauabschnitt kann bis heute nicht rekonstruiert werden, denn es gibt keine Anhaltspunkte mehr auf die Pläne der Anlage, kein Millimeter Papierfetzen ist heute davon mehr aufzutreiben. Rekonstruktionen sind nur mit Hilfe der ansässigen Bevölkerung und überlebender Häftlinge, die zum Bau mit gezwungen worden, möglich.

Grosse Teile von “Riese” stehen unter Wasser. Damalige Sprengungen , errichteten natürliche Dämme die das Wasser im Inneren der Anlage anstauten. Weitere Komplexe sollten an folgenden Orten entstehen: Oberdorf, Dorfbach, Säuferhöhen, Ramenberg, Wüstegiersdorf und Falkenberg. Der siebente Komplex sollte in Waldenburg unter dem Schloss Fürstenstein entstehen. 50 Firmen waren damals an den Baumaßnahmen beteiligt. Durchzuführen waren die Arbeiten mit KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern sowie Kriegsgefangenen aus dem nahen Konzentrationslager Gross-Rosen. In den Anlagen wurden insgesamt  8,5km Stollen ausgegraben, 36km Straße mit einigen Viadukten und Brücken gebaut und 60km Bahngleise verlegt. Unter anderem sollte hier die deutsche Rüstungsindustrie  unterirdische Produktionsanlagen bekommen.

Aus dem Vorhaben ist nichts geworden. Der Ausgang des Krieges ist jedem bekannt. Das komplette Geheimnis der Anlage, wird wohl nie gelüftet werden. Bis zum heutigen Tag gibt es keine Spur zu den Plänen. Nach dem Krieg nutzt  die russische Armee diese Anlagen, später auch die polnischen Streitkräfte. So wurde die Komplexe von einem Streng Geheim zum nächsten Streng Geheim behütet wie ein rohes Ei. Später dann, in den 80ern gab man die Anlagen auf. So konnte dann auch intensive Höhlenforschung betrieben werden. Doch der Verlauf aller Stollen ist bis zum heutigen Tag noch nicht erklärt. Es ranken sich auch viele Geheimnisse und Mythen um die Hinterlassenschaften der Armeen.

Der Komplex Riese, in den wir uns heute begeben wollen, ist einer der größten erhaltenen Stollensysteme. Privat vermietet ist er der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. In Oberdorf soll man noch Reste von SS Kasernen und Mannschaftsbauten, soweit Schwimmanlage und Rampen für den Bahnverkehr erblicken können. Der Komplex Dorfbach ist als Stollen seit 1995 für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Auch der zweitgrößte Komplex Säuferhöhen ist zugänglich gemacht worden. Die Stollen in Ramenberg sind noch nicht erkundet und somit der Öffentlichkeit unzugänglich. Auch die Stollen in Wüstegiersdorf  sind nicht zugänglich. Vom Gesamtkomplex gibt es eine detaillierte Karte mit Luftaufnahmen aus dem Jahre 1944, welche Aufschluss über die Ausmaße der Anlagen gibt. Sorgfältig recherchiertes Material wurde hier zu einer Karte im Maßstab 1:10 000 angefertigt. Man kann die Karte käuflich hier erwerben oder im Infohäuschen vom Komplex Riese.

Der Besuch der Stollen in Walim (Wüstewaltersdorf) begann im Infohäuschen. Man muss warten , bis sich eine Gruppe gefunden hat. Der Eintritt kostet 10 Zloty für den Erwachsenen. Ich habe mir die o.g. Karte mit den Luftaufnahmen  gekauft für 22 Zloty. Wir haben fast eine Stunde gewartet. Natürlich im Innenraum, es lief ein Video über die Sehenswürdigkeiten im Eulengebirge. Das war recht interessant, zwar in polnischer Sprache, aber den Sinn hat man schon irgendwie  mit den Bildern verknüpfen können. Der Führer der Gruppe bot sicher sehr gute Infos zu der Anlage, die ich wegen der Sprachbarriere leider nicht verstand. Der Rundgang dauerte gut 1,5 Stunden. In den Stollen ist es kalt, sehr feucht, teilweise nass und dunkel. Zum Fotografieren braucht man schon ein Stativ in einigen Fällen ein Blitzlicht und lichtstarke Objektive, sonst hat man keine Chance. Ich habe versucht auch einige Fotos zu machen , mit der Zeit beschlug  das Objektiv, viel war in der Feuchte dann auch nicht rauszuholen. Da es sich hier direkt um ein Arbeitslager im II. WK handelte , ist man deutschen Mitbürgern auch etwas reserviert eingestellt, so hatte ich jedenfalls das Gefühl. Der Rundgang war trotzdem recht interessant, und da ich von diesen Objekten bisher noch nie etwas gehört hatte, bereicherte ich dadurch auch mein Allgemeinwissen.

Loading

Teile meine Inhalte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert