Sonntag, in George Town, Penang
Sonntag, 7:30 Uhr und ich kann nicht mehr schlafen, also setze ich mich an den Rechner und fange wieder an zu schreiben. Gegen 9:30 Uhr wurde erst einmal gefrühstückt. Das Buffet sah ganz ordentlich aus. Weißbrot, Toastbrot, Hörnchen und Kuchen lagen aus , dazu gab es Marmeladen und eine ganze Menge Schüsseln mit gebratenen Wiener , Bohnen , irgend ein Kraut, Kartoffeln, Cornflakes, Müsli, Eier und noch so einiges, also für jeden sollte da etwas zu finden sein.
Nach dem Frühstück hatten wir den Plan gefasst uns heute Chinatown zu zuwenden. Erst sollte es aber auf die Besucherplattform im 56. Stockwerk eines nicht weit entfernten Hotels gehen , um sich einen Überblick zu verschaffen. Draußen angekommen , sprangen die Taxifahrer auf uns zu um ihre Dienste anzubieten . Wir lehnten jedoch freundlich ab, da wir unser Pensum zu Fuß schaffen wollten. Das hohe Haus konnte man recht schnell ausmachen und die Entfernung bis dahin schien auch nicht weit zu sein. Die Sonne schien an diesem Morgen erbarmungslos vom Himmel. Nach einer halben Stunde schon brauchten wir ein Lokal um etwas kaltes zu trinken. Es sah nur so leicht aus, der Hitze zu widerstehen stand dann schon auf einem anderen Blatt. Wir gingen weiter in die Richtung der Plattform , an einigen Tempeln vorbei. Einer hatte geöffnet und es wurde unser erster Tempel an diesem Tag. Kennzeichnend für alle war der enorme Gebrauch von Räucherstäbchen. Diese glimmten in allen Ecken der Bauten, standen auf Altären und in unzähligen Schalen in diesen Bauwerken umher und verbreiteten einen angenehmen Geruch , der aber doch schnell in den Augen beißt. Weiter ging es in Richtung Hochhaus, dort angekommen waren wir das erste Mal durchgeschwitzt. Der Blick zum Haus wurde durch eine sehr hohe Treppe , die es galt zu erklimmen. Oben angekommen war erst einmal Feierabend. Schatten suchen und ausruhen. Dann stellten wir fest , das Haus war gar kein Hotel mehr , hatte zwar noch 56 Stockwerke , der Schriftzug prangte auch noch hoch oben über der Stadt, aber hier wurde gebaut. Das Haus wird komplett saniert und umgebaut, da fährt dann auch kein Lift mehr bis ganz oben. Schade. Unser Voxtours Reiseführer war von 2006 und sollte mal überarbeitet werden.
Also ging es die Treppen wieder hinab. Unten angekommen waren wir an diesem jungen Tag das zweite Mal durch geschwitzt. Wir suchten uns eine Café und nahmen wieder eine Erfrischung. Auch hier kann man sich das gut leisten, für zwei Kaltgetränke und zwei Eisgetränke haben zusammen 15 Ringgit bezahlt, um sich eine Übersicht zu verschaffen, man teil die Summe durch vier und hat dann den Umrechnungskurs zum Euro.
Meine Frau wollte nicht aufgeben auf das Hochhaus zu gelangen. Sie enterte ein Einkaufszentrum um festzustellen ob es doch noch einen Expresslift zur Plattform gab. Ich hatte nun erst einmal Zeit für einige Fotos. Für mich war das Thema Aussichtsplattform abgehakt. Als sie wieder da war verbreitete sie die Botschaft, es das es vielleicht einen Lift geben könnte , jedoch nicht klar wäre bis in welche Etage dieser fährt. Nun gut, wir einigten uns das Vorhaben Aussicht auf zu geben und uns Chinatown zu zu wenden.
Unser Plan sah aus , den Tempeln aus unserem Prospekt einen Besuch abzustatten, die Architekturen im Bild festzuhalten , Eindrücke aus diesem riesigen Stadtteil zu gewinnen um anschließend dann in Richtung Wasser weiterzugehen. Ein großes Pensum , was ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht in Kilometern abschätzen konnte.
Wir gingen los . Der erste Tempel sollte uns auch schon bald begegnen. Bei den weiteren passierte das eher durch das Zufallsprinzip. Man war aus dem einen draußen , verglich mit der Karte und blickte sich um. Da sah man wieder einige Tempel Pagoden und machte sich auf den Weg. So kam dann unsere Wegplanung ein wenig ins stocken. Augenfällig war , die Tempel waren alle , bis auf sehr wenige Ausnahmen in einem hervorragenden Zustand. Es gab kleine Tempel und es gab sehr große und auch riesige in denen man schon für eine Stunde ausharren konnte. Ich will sagen es gab eine Menge zu sehen . Von der Funktion her waren sie irgend wie alle gleich. Obwohl die sehr großen Tempel eine sehr pompöse Ausstattung hatten muss ich gestehen. Das beeindruckte mich schon. Die Tempelanlagen wurden in den letzten Jahren mit UNESCO Geldern saniert und sind somit auch in einer Liste der geschützten Bauwerke enthalten. So klärte sich dann auch für mich der hervorragende Zustand der Anlagen. Draußen vor den Tempeln angekommen herrschte wieder eine ganz andere Welt. Die meisten Häuser in Chinatown sind in einem erbärmlichen Zustand. Es gibt hier keine Werterhaltung, diese Häuser werden vom Bauzustand immer schlechter , bis sie irgendwann einmal einfallen oder verbrennen. Dann werden sie verlassen und stehen gelassen. Schade , dieser Zustand trübte dann doch schon etwas dem ganzen Flair. Diesen Zustand habe ich versucht auch in einigen Fotos festzuhalten, so könnt ihr euch auch ein Bild davon machen. Die Straßen durch Chinatown sind sehr eng. Links und rechts der Straßen laufen Abwasserkanäle aus denen es erbärmlich heraus stinkt. Diese Kanäle sind mit Steinplatten abgedeckt , jedoch oft sind diese Platten gebrochen oder weggeräumt. Der Müll ist haufenweise rechts und links der Straßen angehäuft. Krähen und Tiere sorgen auch dafür , das aus den Bergen , Flächen werden. Vorsehen ist angesagt, jede kleinste Verletzung kann hier zu lebensbedrohlichen Entzündungen ausarten. Aber uns ist an diesem Tag nichts passiert.
Die Karte vor Augen richteten wir uns nun der See zu. Wir verließen Chinatown um uns einen Seeblick zu verschaffen. Dazu irrten wir auch wieder etwas planlos umher, da wir uns von den Tempeln , die wir noch nicht gesehen hatten locken ließen. Wir beschlossen nun aber den Tempeln endgültig abzusagen und einen schnellen Weg in Richtung Hafen zu suchen. Der Zufall ließ unsere Blicke durch eine Häuserzeile gleiten , an deren Ende wir ein großes Passagierschiff sahen . Die Richtung war klar. Es gibt hier keine Fussgängerwege wie wir sie von zu Hause aus kennen. Hier hat man halt ein wenig Platz gelassen oder man läuft auf der Straße. Versucht man mal eine Sekunde festzuhalten in der kein Auto an einem vorbeifährt muss man feststellen , es gibt sie nicht. Es herrscht hier ein unglaublicher, nie endend wollender Verkehrsstrom, was wir aber auch schon in Kuala Lumpur festgestellt hatten. Die Bordsteine sind auch hier gut zwanzig, teilweise dreißig und mehr Zentimeter hoch. Man muss aufpassen nicht mit dem Fuß umzuknicken. Die Situation gestaltete sich schwierig , jedoch nicht aussichtslos. Kurze Springeinlagen und Hüpfen und Springen über Bordsteine und sonstige Hindernisse ließ uns klar werden warum die uns damals im Sportunterricht so geschliffen hatten. Die haben uns damals schon für Penang trainiert, Danke liebe Sportlehrer.
Am Hafen angekommen mussten wir uns auch erst einmal einen Zugang verschaffen. Alle Wege führten dann wohl doch nicht nach Rom. Wir fanden eine Autofähre die hinüber auf das Festland fuhr und wir fanden ein Passagier Terminal an dem zwei riesige Schiffe festgemacht waren. Eines davon konnte man bis zum 25 September auch besichtigen, was wir jedoch nicht wollten. Auf einer Brücke etwas ausruhen , vielleicht auch um einige Fotos zu kreieren, sahen wir im Wasser vom Ufer her plötzlich eine Bewegung und stellten fest , ein Waran. Elegant gleitet er durch das Wasser. Ich konnte ihn noch mit der Kamera festhalten. Eine glückliche Fügung , damit hätten wir heute nie gerechnet.
Wir gingen am Hafen vorbei in Richtung Uhrenturm. Ganz in der Nähe war auch das Fort Cornwallis, welchem wir nun einen Besuch abstatten wollten. Wir fanden auf Anhieb keinen Eingang und mussten das gesamte Gelände erst einmal wieder umrunden. De Eintritt pro Person 2 Ringgit. Die gesamte Anlage in einem jämmerlichen Zustand. Wenn der Zahn der Zeit die Kanonen nach vorne fallen lässt, wird es sicher wieder einen Rohstoffsammler aus Chinatown geben , der das Ding einsammelt und dem Hochofen zuführt. Kabel liegen durchtrennt auf der gesamten Anlage herum. Auch die Gärtner sind hier nicht die fleißigsten. Man muss das so halt hinnehmen, Schade aber, das man hier Geschichte so in dem Masse vergammeln lässt. Auf der einen Seite die hervorragend sanierten Tempelanlagen und dann die andere Seite Wohnhäuser , ganze Wohnviertel verfallen und historisches Gut verkommt. Man muss sich Prämissen setzen , die liegen hier in Malaysia aber woanders.
Wir beendeten den Tag mit einem Abstecher an der Uferpromenade. Wir sahen eine Menge Schiffe die auf Reede lagen und auch Containerschiffe die beladen wurde, schauten den Menschen beim bunten Treiben zu und beobachteten gespannt den Anglern bei ihren Zeitvertreib.
So langsam stellte sich der Hunger ein und wir beschlossen uns ein Restaurant zu suchen. Die Füße schmerzten und mit tat der Rücken weh. Die ganze Zeit den Fotorucksack tragen, geht irgend wann an die Substanz.
Wir fanden in einem Einkaufszentrum ein Chinesisches Restaurant, welches nicht das billigste zu sein schien aber einen recht ansprechenden Eindruck vermittelte. Da begaben wir uns hinein. Es war ein sehr traditionelles Restaurant. Ein großer Schrein war der zentrale Punkt in dieser Örtlichkeit und es war ein Familienrestaurant. Vater, Mutter, Tochter und der Onkel wieselten hier umher. Von Freundlichkeit und Höflichkeit kaum zu übertreffen , wie überhaupt hier in diesem Land. Das wird eine der Eigenschaften sein , die ich am meisten vermissen werde , wenn ich erst einmal wieder zu Hause bin, dieser freundliche Umgang miteinander.
Wir wählten was mit Chicken, Meine Frau non Spicy und ich Spicy, dazu sie Kesselreis und ich gebratenen Reis , dazu Bohnen und jeweils eine Coke. Das Essen war eine Wucht, sehr gut gewürzt trieb es mir den Schweiß auf die Stirn, aber ich wollte es ja so. Ein sehr gutes Lokal in dem man sein Handwerk verstand. Die Rechnung war dann im Gesamten wieder nur 69 Ringgit.
Nach dem Essen besorgten wir uns etwas zu trinken und beendeten den Tag. Ich lass zur Sicherheit die Speicherkarten der Fotoapparate aus und bearbeitete ein paar Bilder für mein Facebook Album. Per Skype rief ich dann noch meine Eltern an. Nun war endlich Feierabend. Total kaputt nahm ich noch ein Bad und dann ging es ins Bett.
Morgen wollen wir in die Berge. Aber mehr dazu , Morgen.
